Die Kapelle zu Winterscheid
Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Eigentlich eine müßige Frage. Darum einmal
anders! Was war zuerst da, die Kapelle oder die Glocke? Na, logisch, das Ei
(sprich die Glocke) war zuerst da, dann 100 Jahre später das Huhn (sprich die
Kapelle). Dies ist zumindest so, wenn man denen glaubt die das Erbauungsjahr der
Winterscheider Kapelle auf 1612 festlegen. Die eine Glocke ist aus dem Jahr 1512
und somit 100 Jahre älter als die Zahlenangabe auf dem nördlichen
Spitzbogenfenster, welche allgemein als die älteste Datierung angenommen wird.
Es ist schon schlimm, wenn man immer alles glaubt was Menschen schreiben, die
sich der Heimatkunde verschrieben haben. Sie verschrieben sich wohl gleich in doppelter Hinsicht.
Das nördliche Spitzbogenfenster enthält von außen keinerlei Jahreszahlangabe und passt von der
zeitlichen Einordnung zur Glocke. Natürlich lässt sich das nicht mit Bestimmtheit sagen, sondern
nur vermuten.
Die Jahreszahlangabe auf dem südlichen Fenster ist von außen gut zu erkennen und weißt
auf das Jahr 1613 hin – passend zur Nachgotik ein gedrückter Spitzbogen. Die weiteren Jahreszahlangaben sind 1771 auf dem nördlichen Türsims,
1779 auf einem weiteren Fensterbogen und 1847 auf dem westlichen Türsims.
Die Kapelle wurde also oft erweitert, umgebaut und verändert.
Zuletzt 2010 als die Mauer um die Kapelle herum entfernt wurde, was einen schönen Blick auf die Kapelle freigibt, wie das nebenstehende Bild beweißt.
Die Beschreibung des eigentlichen Baus wurde von einigen recht ausführlich und im
Sinne des dafür üblichen Sprachbildes erstellt. Auch über die Ausgestaltung
haben sich doch einige in überaus geschwollenen Worten zu wahrhaft überschwänglichen
Darstellungen hinreißen lassen, die allerdings nur dem Liebhaber solcher Dinge
nützlich erscheinen. Deshalb an dieser Stelle die etwas andere
Darstellungsform:
Aus
Bruchsteinen schafften es die früheren Bewohner des Winterscheider Territoriums
einen etwas schiefgeratenen Bau zu errichten. Womöglich ist dies zurückzuführen
auf die meist vorhandene leichte Brise, die das Lot zum Pendel macht. Da für
die damalige Zeit keinerlei Schulen für die breite Bevölkerung bestanden, ist
es nicht verwunderlich, was damals geschah. Sie brachten nicht das Licht mit
Laken oder ähnlichem Gerät in die Kapelle, – soweit bekannt war
Eulenspiegel sowieso nie in Winterscheid – nein, man baute das einzige
Fenster auf der Nordseite ein. Nach dem Motto: „Nur im dunkeln ist eine Kerze
hell“.
Eine weitere
Besonderheit, die jedem ins Auge fiel, waren die Zeitsprünge welche man hier
erleben konnte. Da die Kapellenuhr auf mehreren Seiten des viereckigen Türmchens
mit Zeigern und Zifferblatt sichtbar war, konnte auch der des Uhrablesens
Unkundige feststellen, dass sich die Zeit, zumindest nach der Kapellenturmuhr,
in verschiedenen Dimensionen befand und in diesen verharrte.
Eine
„Wurfsendung“ an alle Haushalte vom 19.08.1995 zeigt, dass man dieses
Problem, erkannte:
Dieses
Treffen hat immerhin einiges bewirkt. Es wurde sich bemüht, die Zeiger
wurden tatsächlich soweit bewegt, dass zumindest nur noch zweimal täglich (statt
bisher viermal täglich) die richtige Zeit zu sehen, bzw. nachts, nicht zu sehen
ist. Eine Reparatur des Uhrwerks ist nicht preiswert und eine Uhr auf der
zweimal pro Tag die richtige Zeit erkennbar ist, ist besser als gar keine Uhr.
Vielleicht findet sich eines Tages ein Sponsor und die Uhr läuft wieder.
